Flechten und Moose in Lappland: Naturphänomene, Artenvielfalt und Bedeutung für Rentiere

Wachstum, Artenvielfalt, ökologische Bedeutung und Nutzung im Norden

Lappland ist die nördlichste Region Finnlands. Die Landschaft wird von weiten Wäldern, Mooren, Fjällflächen und Flechtenheiden geprägt. Flechten und Moose bilden die Grundlage dieser Ökosysteme. Sie speichern Wasser, schützen den Boden, liefern Nährstoffe und dienen Rentieren als lebenswichtiges Winterfutter.

Die bekanntesten Arten, die in den Regionen Ranua, Rovaniemi und Posio vorkommen, sind die sogenannten Rentierflechten. Sie wachsen auf sandigen Böden in borealen Nadelwäldern und geben der Landschaft ihren hellen, silbrigen Charakter.

 

. Arten und Lebensräume

In Finnisch Lappland dominieren Flechten der Gattung Cladonia. Besonders verbreitet sind Cladonia rangiferina, Cladonia arbuscula und Cladonia stellaris. Diese Cladonia-Arten in borealen Nadelwäldern besiedeln offene Kiefernheiden, lichte Fichtenbestände und felsige Hochflächen.

In feuchteren Gebieten übernehmen Moose die Hauptrolle. Sphagnum-Moore und Torfgebiete in Nordfinnland sind charakteristisch für die Landschaft und bedecken Millionen Hektar. Sie speichern Wasser, regulieren das Mikroklima und bilden über Jahrhunderte Torfschichten.


2. Wachstum und Lebensdauer

Flechten wachsen sehr langsam.

  • Cladonia rangiferina: etwa 4 bis 8 Millimeter pro Jahr

  • Cladonia mitis: etwa 3 Millimeter pro Jahr

  • Durchschnittlich weltweit: rund 5 Millimeter pro Jahr

Nach Trittbelastung oder Beweidung dauert es Jahrzehnte, bis sich eine geschlossene Flechtendecke erneuert. Sphagnum-Moose wachsen schneller, aber nur an der Oberfläche. Die unteren Schichten zersetzen sich kaum und speichern dauerhaft Kohlenstoff.


3. Ökologische Bedeutung

Flechten und Moose sind zentrale Bestandteile des nordischen Ökosystems. Sie

  • speichern Feuchtigkeit und Nährstoffe

  • verhindern Bodenerosion

  • dienen als Lebensraum für Mikroorganismen

  • zeigen Luftverschmutzung durch Veränderungen im Wachstum an

Für die Rentierweide sind Flechten im Winter lebensnotwendig. Wenn Schnee und Eis den Boden versiegeln, graben die Tiere nach den hellen Polstern der Cladonia rangiferina. Diese liefern Energie in einer Zeit, in der kaum andere Nahrung verfügbar ist.


4. Rentierfütterung und Klimawandel in Lappland

Der Klimawandel verändert die Winterbedingungen. Durch wiederholte Frost- und Tauzyklen entstehen Eisschichten auf den Weideflächen. Die Rentiere können die Flechten dann nicht mehr erreichen.

Deshalb müssen viele Rentierhalter ihre Herden heute im Winter zusätzlich füttern. Diese Rentierfütterung und Klimawandel Lappland sind eng miteinander verbunden. Die Halter kaufen Futter in Form von Heu, Silage, Pellets und teilweise auch Flechten.

Laut der Studie Supplementary Feeding in Reindeer Husbandry (SLU, 2022) werden Flechten vor allem ausserhalb der Weidegebiete geerntet und über landwirtschaftliche Genossenschaften oder Forstbetriebe bezogen. Der durchschnittliche Preis liegt bei etwa 0,40 Euro pro Kilogramm. Flechten dienen jedoch nicht als Hauptfutter, sondern nur als Ergänzung. Ein längerer Fütterungszeitraum ausschliesslich mit Flechten wäre wirtschaftlich und ökologisch nicht tragbar.

Diese Praxis hat sich seit den 1980er Jahren verbreitet, besonders in Regionen wie Ranua, Rovaniemi und Posio, wo Eiswinter regelmässig auftreten.


5. Flechtenkauf und Winterfütterung in der Rentierhaltung

Der Flechtenkauf und die Winterfütterung in der Rentierhaltung sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Rentierwirtschaft geworden. Flechten werden von spezialisierten Sammlern gewonnen, die sie in grossen Säcken an Betriebe liefern. Der Markt ist klein, die Mengen begrenzt und stark von Wetterbedingungen abhängig.

Das gekaufte Futter ergänzt natürliche Ressourcen und sichert die Tiergesundheit in kritischen Wintern. Für die Halter entstehen dabei hohe Zusatzkosten, die durch den Verkauf von Fleisch und Fell kaum kompensiert werden können.


6. Forstwirtschaft und Beweidung

Intensive Beweidung durch Rentiere kann die Bodenflechten stark reduzieren. Auch Forstmaschinen schädigen empfindliche Flechtenpolster. Studien zeigen, dass überweidete Flächen Jahrzehnte benötigen, um sich zu erholen.

Der staatliche Forstbetrieb Metsähallitus berücksichtigt diese Zusammenhänge bei der Planung. In Gebieten mit hohem Flechtenanteil werden Holzerntezeiten angepasst, und bodenschonende Verfahren kommen zum Einsatz, um die Lebensräume der Flechten zu erhalten.


7. Nutzung, Schutz und Jokamiehenoikeus

Das finnische Jokamiehenoikeus erlaubt das Sammeln von Beeren und Pilzen, jedoch nicht das Pflücken oder Sammeln von Flechten und Moosen. Für deren Nutzung ist die Zustimmung des Grundeigentümers nötig.

In Schutzgebieten gilt ein generelles Entnahmeverbot. Diese Regelung soll die empfindlichen Lebensgemeinschaften schützen, die sich nur sehr langsam regenerieren. Der Zusammenhang von Jokamiehenoikeus und Naturschutz ist in Lappland daher besonders relevant.

Sphagnum-Moose werden in der Floristik und Naturkosmetik genutzt. Die kommerzielle Ernte ist nur in bewilligten Gebieten erlaubt, meist auf wiedervernässten Moorflächen.


8. Moore, Kohlenstoff und Klima

Finnland besitzt mehr als zehn Millionen Hektar Torfgebiete. Diese Moore speichern gewaltige Mengen Kohlenstoff und sind entscheidend für den Klimaschutz. Nach Wiedervernässung bilden sich binnen zehn Jahren wieder geschlossene Sphagnum-Teppiche.

Renaturierte Moore in Nordfinnland erreichen bereits nach einem Jahrzehnt die CO₂-Aufnahmerate intakter Feuchtgebiete. Sie sind ein zentraler Bestandteil der finnischen Klimastrategie.


9. Forschung und Monitoring

Flechten werden seit Jahrzehnten für das Lichen Monitoring Finland genutzt. Sie reagieren empfindlich auf Luftschadstoffe und sind zuverlässige Bioindikatoren für Stickstoff, Schwermetalle und Feinstaub.

Das finnische Umweltinstitut (SYKE) und die Universität Oulu führen Langzeitstudien durch, um Veränderungen in Flechtenpopulationen zu dokumentieren. Diese Daten helfen, Umweltveränderungen früh zu erkennen und Schutzmassnahmen gezielt umzusetzen.


10. Fazit

Flechten und Moose sind die Grundlage des Lebensraums Lappland. Sie wachsen langsam, speichern Wasser und Kohlenstoff und sichern das Überleben der Rentiere im Winter.

Der Klimawandel zwingt Rentierhalter zunehmend, Futter zuzukaufen. Flechten sind dabei eine wertvolle, aber teure Ergänzung. Gleichzeitig werden Sphagnum-Moore renaturiert und leisten einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz.

Lapplands Flechten und Moose zeigen, wie empfindlich und gleichzeitig widerstandsfähig die Natur des Nordens ist. Ihr Erhalt ist entscheidend für das ökologische Gleichgewicht und die kulturelle Identität dieser einzigartigen Region.

 

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