Singschwan in Lappland: Finnlands Nationalvogel auf den stillen Seen des Nordens

Der Singschwan, Finnlands weisser Vogel des Nordens

Es gibt Vögel, die man sieht. Und es gibt Vögel, die eine Landschaft verändern, sobald sie auftauchen. Der Singschwan gehört zur zweiten Sorte. Wenn er auf einem stillen See in Lappland landet, wirkt alles für einen Moment weiter, ruhiger und klarer. Sein weisses Gefieder, der lange Hals und der gelb schwarze Schnabel sind unverkennbar. Sein Ruf trägt weit über Wasser, Wald und Moor.

Der wissenschaftliche Name des Singschwans lautet Cygnus cygnus. Auf Finnisch heisst er laulujoutsen, auf Schwedisch sångsvan, auf Englisch Whooper Swan. Er gehört zur Familie der Entenvögel, also zu den Anatidae, und zur Ordnung der Gänsevögel, Anseriformes.

 

Ein Symbol für Finnland, nicht nur ein schöner Vogel

 

 

Der Singschwan ist der Nationalvogel Finnlands. Das ist keine kleine Nebensache, sondern ein starkes Symbol. Er steht für Wildnis, Wasser, Rückkehr, Schutz der Natur und für das stille Finnland, das nicht laut sein muss, um Eindruck zu machen. BirdLife Finnland beschreibt den Singschwan auch als Symbol des finnischen Naturschutzes, weil die Art in Finnland beinahe verschwunden war und sich dank Schutzmassnahmen wieder stark erholt hat. In den 1950er Jahren gab es in Finnland weniger als hundert Paare, heute sind es wieder über 10’000 Paare.

 

Auch kulturell ist der Singschwan tief mit Finnland verbunden. Er kommt in der finnischen Naturwahrnehmung, in der Folklore und in der Kunst vor. Finland.fi erwähnt ihn als nördlichen, weissen Wildschwan, der unter anderem mit dem Kalevala und Jean Sibelius verbunden ist. In der Mitte des 20. Jahrhunderts brüteten in Finnland nur noch weniger als zwanzig Paare.

 

 

 

Singschwan Null-Euro-Schein und Singschwan Medaille
Singschwan Null-Euro-Schein und Singschwan Medaille

Wie erkennt man einen Singschwan?

 

 

Ein erwachsener Singschwan ist ein grosser, weisser Wasservogel mit langem Hals, schwarzem Beinwerk und einem auffälligen gelb schwarzen Schnabel. Der gelbe Bereich an der Schnabelbasis ist gross und reicht deutlich nach vorne. Genau dieses Merkmal hilft bei der Unterscheidung vom Höckerschwan, der einen orangefarbenen Schnabel mit schwarzem Höcker hat. BirdLife Finnland beschreibt den Singschwan als vollständig weiss, mit breit gelber Schnabelbasis und schwarzer Schnabelspitze.

 

Der Singschwan ist etwa so gross wie ein Höckerschwan und deutlich grösser als eine Gans. BTO nennt als durchschnittliches Gewicht rund 9 Kilogramm, wobei Männchen im Durchschnitt schwerer sind als Weibchen.

 

Jungvögel sind nicht rein weiss. Sie wirken im ersten Jahr grau bis bräunlich grau. Erst mit zunehmendem Alter bekommen sie das klare weisse Gefieder der erwachsenen Tiere.

Wo kommt der Singschwan vor?

 

Der Singschwan brütet in Europa und Westasien auf einem grossen Gebiet. In Finnland kommt er heute fast im ganzen Land vor. Laut dem Finnish Biodiversity Information Facility brütet die Art in Finnland fast landesweit, fehlt aber weitgehend im nördlichsten Fjäll Lappland und im äusseren Schärengebiet. Besonders stark ist der Bestand in den seenreichen Gebieten Mittelfinnlands und im waldreichen Lappland.

 

Für Lappland bedeutet das: Wer im Frühling, Sommer oder Herbst an ruhigen Seen, Moorgewässern, geschützten Buchten oder flachen Uferzonen unterwegs ist, hat realistische Chancen, Singschwäne zu sehen oder zu hören. Gerade in Regionen wie Ranua, Impiö und rund um waldreiche Seen passt der Lebensraum sehr gut zu dieser Art, sofern genügend Ruhe, offene Wasserflächen und geeignete Brutplätze vorhanden sind.

 

Verbreitung des Singschwans. Gelb – Brutgebiete; Blau – Überwinterungsgebiete; Grün: ganzjähriges Vorkommen
Verbreitung des Singschwans. Gelb – Brutgebiete; Blau – Überwinterungsgebiete; Grün: ganzjähriges Vorkommen

Wo brütet der Singschwan

 

 

Der Singschwan brütet bevorzugt an ruhigen Gewässern. Besonders geeignet sind Moorseen, kleine Waldseen, sumpfige Teiche, geschützte Buchten und nährstoffreiche Feuchtgebiete. Das Arctic Centre nennt als beliebte Brutgebiete Moorweiher in Aapamooren und Vogelseen.

 

Das Nest liegt meist nahe am Wasser oder direkt in einer geschützten Uferzone. Der Platz muss ruhig sein, denn Singschwäne sind während der Brutzeit sehr störungsempfindlich und verteidigen ihr Revier deutlich. Wer einen brütenden Singschwan sieht, sollte Abstand halten, nicht näher herangehen und den Vogel nicht zum Aufstehen bringen. In Finnland ist der Singschwan geschützt.

 

 

 

Wie viele Junge bekommt ein Singschwan?

 

 

Ein Singschwanpaar hat normalerweise eine Brut pro Jahr. Die typische Gelegegrösse liegt bei 4 bis 5 Eiern, beobachtet werden können 2 bis 7 Eier. Die Brutdauer beträgt laut BTO typischerweise 31 bis 42 Tage. Die Küken sind Nestflüchter, sie sind also kurz nach dem Schlupf schon beweglich und folgen den Eltern aufs Wasser. Bis sie flugfähig sind, dauert es meist 78 bis 96 Tage.

 

Das ist einer der Gründe, weshalb der Singschwan im Norden auf eine ausreichend lange eisfreie Zeit angewiesen ist. Das Arctic Centre weist darauf hin, dass die Entwicklung vom Ei bis zum jungen, zugfähigen Vogel lange dauert. Kommt der Winter früh, steigt die Sterblichkeit der Jungvögel.

 

Singschwäne sind sehr paarverbunden. BirdLife Finnland schreibt, dass die Partner meist zusammenbleiben, solange beide leben. Auch die Jungvögel bleiben häufig über den ersten Winter bei den Eltern.

 

 

 

Was frisst der Singschwan?

 

Der Singschwan ernährt sich vor allem von Pflanzen. Dazu gehören Wasserpflanzen, Wurzeln, Sprosse und andere Pflanzenteile aus flachen Gewässern. NatureGate nennt unter anderem Laichkräuter, Süssgräser und Schachtelhalme. Heute suchen Singschwäne auch auf Feldern Nahrung.

 

Im Winter und während des Zuges können Felder wichtig werden. Dort fressen Singschwäne zum Beispiel Erntereste, Getreide oder Kartoffeln. RSPB beschreibt, dass Singschwäne tagsüber häufig auf Feldern grasen und auf offenen Gewässern rasten.

 

 

Ist der Singschwan ein Zugvogel?

 

Ja, der Singschwan ist in Nordeuropa überwiegend ein Zugvogel. Er zieht aber nicht so weit wie viele kleine Singvögel. Er ist eher ein Kurzstreckenzieher und folgt vor allem dem offenen Wasser. Wenn Seen, Flüsse und Buchten zufrieren, weicht er weiter nach Süden aus. Laut Finnish Biodiversity Information Facility müssen nordeuropäische Brutbestände nach Süden ziehen, sobald die Gewässer zufrieren.

 

Finnische Singschwäne überwintern vor allem in Südschweden, Dänemark, den Niederlanden und Deutschland. In den letzten Jahren bleiben einzelne Vögel aber auch im Winter in Lappland, wenn es offene Wasserstellen gibt. Das Arctic Centre nennt als Beispiel unter anderem die Gegend um Kutuniva bei Jerisjärvi in Muonio.

 

Im Frühling gehören Singschwäne zu den ersten Zugvögeln, die in den Norden zurückkehren. Sie kommen, sobald Wasserflächen offen sind. Im Herbst bleiben sie oft lange und ziehen erst ab, wenn die Gewässer zufrieren. Genau deshalb wirkt ihr Ruf im Frühling wie ein Startsignal und im Herbst wie ein Abschied vom offenen Wasser.

 

 

Wie klingt der Singschwan?

 

 

Der Name passt. Der Singschwan singt zwar nicht wie ein Singvogel, aber sein Ruf ist kraftvoll, hell und weit tragend. BirdLife Finnland beschreibt seine Stimme als kräftigen, weit hörbaren, trompetenden Ruf.

 

Wer ihn einmal an einem stillen See in Lappland gehört hat, vergisst dieses Geräusch kaum. Es klingt nicht zart. Es klingt eher wie ein klares, metallisches Trompeten über dem Wasser. Oft hört man mehrere Rufe hintereinander, besonders im Flug, beim Kontakt zwischen Familienmitgliedern oder wenn mehrere Schwäne zusammen unterwegs sind. Auf Xeno Canto gibt es zahlreiche Tonaufnahmen des Singschwans, darunter Rufe von erwachsenen Vögeln und Jungvögeln.

 

So klingt das! 

 

 

Warum der Singschwan so gut zu Lappland passt

 

 

Lappland ist nicht nur ein Ort für Nordlichter, Schnee und Rentiere. Lappland ist auch Wasser, Moor, Wald, Zugvogelzeit und stille Seen. Der Singschwan verbindet all das. Er braucht Ruhe, offenes Wasser, Feuchtgebiete und genügend Zeit, damit seine Jungen gross werden können. Er ist robust, aber nicht unverwundbar. Er kommt früh zurück und bleibt lange. Er ist laut, obwohl er in einer stillen Landschaft lebt.

 

Gerade deshalb ist er für Gäste in Lappland ein besonderer Vogel. Man muss ihn nicht suchen wie eine Seltenheit. Man muss eher lernen, aufmerksam zu sein. Ein heller Ruf über dem See, ein weisser Punkt in einer Bucht, ein Paar mit grauen Jungvögeln am Rand eines Moorgewässers. So zeigt sich der Norden oft am stärksten, nicht spektakulär, sondern plötzlich und echt.

 

 

Beobachtungstipp für Gäste

 

 

Die besten Chancen hat man an ruhigen Seen, flachen Buchten, Moorgewässern und offenen Wasserstellen. Im Frühling lohnt es sich, auf die ersten offenen Stellen im Eis zu achten. Im Sommer sollte man besonders vorsichtig sein, weil dann gebrütet wird oder Jungvögel geführt werden. Im Herbst können sich Singschwäne in Gruppen sammeln, bevor sie weiterziehen.

 

Wichtig ist: Abstand halten, nicht an Nester herangehen, keine Drohne in der Nähe von Vögeln einsetzen und brütende Tiere nicht stören. Ein Fernglas ist hier besser als jeder Versuch, näher heranzukommen.

 

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