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Ein Geweih, das jedes Jahr neu wächst
Rentiergeweihe bestehen aus Knochen und wachsen innerhalb weniger Monate. Während des Wachstums sind sie von einer weichen, gut durchbluteten Haut überzogen, dem Bast. Später verhärtet sich das Geweih; die Basthaut wird abgestreift. Nach dem Abwurf beginnt der Zyklus erneut. Zeitpunkt und Grösse hängen unter anderem von Geschlecht, Alter, Ernährung und Fortpflanzungszustand ab.
Der Jahreslauf
| Jahreszeit | Männliche Rentiere | Weibliche Rentiere |
|---|---|---|
| Frühling | Das neue Geweih wächst. | Trächtige Tiere behalten ihr altes Geweih meist bis zur Zeit um die Geburt; anschliessend beginnt neues Wachstum. |
| Sommer | Rasches Wachstum unter der Basthaut. | Ebenfalls Wachstum, meist eines kleineren Geweihs. |
| Herbst | Das harte Geweih dient bei den Brunftkämpfen. | Auch ihr Geweih ist nun ausgehärtet. |
| Spätherbst und Winter | Erwachsene Bullen werfen ihr Geweih häufig nach der Brunft ab; jüngere Tiere können es länger tragen. | Viele behalten es über den Winter und können sich damit an Futterstellen behaupten. |
Diese Übersicht beschreibt typische Abläufe, keine festen Termine für jedes Tier. Auch Kälber können im ersten Lebensjahr kleine Geweihe entwickeln.
Was Rentiere von anderen Hirschen unterscheidet
Bei Elchen, Rehen und vielen anderen Hirscharten tragen normalerweise nur die männlichen Tiere ein Geweih. Bei Rentieren können beide Geschlechter eines entwickeln. Deshalb lässt sich das Geschlecht nicht allein daran erkennen, ob ein Tier gerade ein Geweih trägt.
Wachstum kostet Energie
Für die jährliche Neubildung braucht der Körper unter anderem Eiweiss, Kalzium und Phosphor. Ein kräftiges Geweih kann auf eine gute körperliche Verfassung hindeuten. Sein Aussehen ist jedoch kein verlässlicher Altersmesser. Auch genetische Unterschiede und die Ernährung spielen eine Rolle.
Wozu dient das Geweih?
- Bei den Bullen: zum Imponieren und für Auseinandersetzungen während der Brunft.
- Bei den weiblichen Tieren: zur Durchsetzung an Futterstellen, auch im schneereichen Winter.
- Allgemein: als Teil des Sozialverhaltens und gegebenenfalls zur Verteidigung.
Ein Material mit langer Geschichte
Menschen nutzen Rentiergeweih seit Jahrtausenden für Werkzeuge, Spitzen, Nadeln und Schmuck. Geschnitzte und gravierte Stücke belegen seine Bedeutung in früheren Kulturen. In verschiedenen nordeurasischen Traditionen kommen Geweihe auch in zeremoniellen Gegenständen vor; ihre Bedeutung unterscheidet sich je nach Gemeinschaft.
Bis heute entstehen daraus Knöpfe, Messergriffe und andere handwerkliche Gegenstände. Auch im samischen Kunsthandwerk ist Rentiergeweih ein wichtiger Werkstoff. Wer ein Andenken kauft, kann nach Herkunft und Herstellung fragen. Geweihextrakte werden zwar ebenfalls als Nahrungsergänzung verkauft; daraus lässt sich keine belegte gesundheitliche Wirkung ableiten.
Mehr über Begegnungen mit Rentieren findest du auf unserer Seite zu Rentierfarm und Rentierschlittenfahrt.





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